Digital Excellence Now! - 20. buildingSMART-Forum am 19. Oktober 2016 im Berliner Westhafen

Alle Fotos: (c) Eventfotograf.in / buildingSMART e.V.
 

WESTHAFEN CONVENTION CENTER
19. Oktober 2016

Beim 20. buildingSMART-Forum am 19. Oktober 2016 im Berliner Westhafen drehte sich wieder alles um die Digitalisierung der Baubranche. Deutsche und internationale Referenten berichteten über den aktuellen Stand des modellbasierten Planens, Bauens und Betreibens. Besondere Beachtung fand der Vortrag des „Godfather of  buildingSMART“ Patrick MacLeamy.

Hier finden Sie kurze Zusammenfassungen der einzelnen Vorträge, Foto-Galerie und Präsentationen unserer Referentenen zum Downloaden. Die Weiterverwendung der Präsentationen (auch in Teilen) ist nur mit Zustimmung des jeweiligen Referenten möglich (Copyright). Copyright für alle Fotos: Eventfotograf.in / buildingSMART e.V. 

Bitte beachten Sie, dass in wenigen Tagwen auch alle die Video-Aufzeichnungen der Vorträge sowie zahlreiche weiteren Filmbeiträge in unserem Youtube-Kanal zur Verfügung stehen werden.

Begrüßung
Dr. Thomas Welter, Bundesgeschäftsführer Bund Deutscher Architekten BDA
Moderator

 

Begrüßung

Den Auftakt machte Prof. Rasso Steinmann, Vorstandsvorsitzender von buildingSMART German Speaking Chapter. Er warf einen Blick zurück auf 20 Jahre buildingSMART im deutschsprachigen Raum und resümierte, BIM sei seinen Kinderschuhen von einst längst entwachsen. Mit enorm steigenden Mitgliederzahlen, der maßgeblichen Beteiligung an wichtigen Standardisierungsschritten und tief eingebunden in die Regelsetzungen von DIN, VDI, CEN und ISO darf der Verein mit Stolz auf die letzten 20 Jahre schauen.

 
 

buildingSMART at 20 years: Transforming How We Design and Build

Patrick MacLeamy, buildingSMART International / HOK Architects, St. Louis

Mit großer Neugier wurde der Vortrag von Patrick MacLeamy, dem „Godfather of buildingSMART“ (Prof. Steinmann) und Vorstandsvorsitzenden von buildingSMART International erwartet. Auch er bescheinigte dem deutschsprachigen Chapter, zu einem echten „Powerhouse-Chapter“ gewachsen zu sein und skizzierte seinen eigenen beruflichen Werdegang als Architekt im Wandel der herrschenden Methoden. Angefangen von Bleistift, Winkelmaß, Zirkel und Radiergummi für Zeichnungen auf sehr großen Papierrollen über 2D- und 3D-CAD-Zeichnungen bis zum komplexen BIM-Modell von heute. Mit sehr anschaulichen Worten zog er Parallelen zu umwälzenden Ereignissen in anderen Bereichen der Wirtschaft. Google hat schon ganze Wörterbücher, Landkarten auf Papier und viele, viele Einkaufsmeilen geschluckt. Informationssuche war noch nie so einfach wie heute. Ebenso Apple mit dem ersten Smartphone, dass nicht nur das Telefon verdrängte, sondern auch den CD-Player, Zeitungen aus Papier, Fotoapparate usw. Solche „Disruptoren“ verändern gewohnte Geschäftsmodelle und letztlich unser Leben radikal. MacLeamy zeigte sich sicher, dass BIM die große digitale Revolution in allen Bereichen der Bauindustrie bringt. Er rief alle Tagungsteilnehmer dazu auf, diesen radikalen Umbruch mitzugestalten, um nicht von ihm fortgespült zu werden: "It's not about my business or about your business ... It's about our industry!"

 

Turmdrehkrane in der modellbasierten Bauablaufplanung

Robert Bramberger, Liebherr-Werk in Biberach sieht die Rolle der Baumaschinenhersteller beim BIM-Prozess in Zukunft wachsen. Er zeigte auf, wie im Entwurf und der Planung neuer Geräte, aber auch beim Baustellenmonitoring sich neue Arbeitsweisen entwickeln werden. Dabei sei besonders wichtig, wie genau die Geräte bereits in den digitalen Planungsprozess eingebunden werden und dass dies schon früh im gesamten Prozess geschieht. In Zukunft werden sich die Kundenanforderungen an Baumaschinenhersteller weiter ausdifferenzieren und der Anteil an Sonderanfertigen wird steigen. Daher sei es wichtig, bereits frühzeitig BIM-Methoden aufzubauen.

 

Digitalisierung und Komplexität

Weitere inspirierende Beiträge kamen u. a. vom Bauingenieur Manfred Grohmann vom Büro Bollinger+Grohmann, der zeigte, wie besonders komplexe Bauaufgaben erst durch digitale Methoden beherrschbar werden. Er nahm die Zuhörer mit auf einen Rundgang durch die letzten Jahre der digital geplanten  Projekte seines Büros und zeigte sich gewiss, dass es einen openBIM-Standard geben müsse, um die Unabhängigkeit aller Beteiligten zu wahren.

 

„Digital Twins“ = doppelte Arbeit? Was sich für Systemlieferanten der technischen Gebäudeausstattung ändern wird

Eric Giese und Petra Michaely von Siemens Gebäudetechnik und Siemens Real Estate referierten über die zukünftigen Veränderungen für die Technische Gebäudeausrüstung in der Planungs- und Ausführungsphase. Wie heute in der produzierenden Industrie üblich werden alle Tests und Simulationen digital und virtuell durchgeführt. Erst danach beginnt die tatsächliche Bauphase. Dies bringt auch eine Veränderung der Wertschöpfungskette und der Verantwortung gegenüber der heute üblichen Vorgehensweise mit sich. Das Zusammenspiel der am Bauprozess beteiligten Partner wird sich verändern.

 

Big Data and the Cognitive Era –What does it mean for our Buildings?

Ein weiterer internationaler Gast war Dr. Claire Penny von IBM in Dublin. Sie stellte vor, wie Bauwerke dank intelligenter Gebäudetechnik zur Erfassung von Echtzeitdaten Teil des „Internet of Things“ werden. Sie zeichnete die wachsende Komplexität von Gebäudetechnik in den letzten 40 Jahren nach und gab einen spannenden Ausblick in die Zukunft der „Cognitive Buildings“. Der Weg führt von automatisierten Gebäuden vor der Jahrtausendwende über Smart Buildings heute hin zu einer Architektur, die mittels künstlicher Intelligenz lernt, das Verhalten ihrer Bewohner zu verstehen und ihnen ein hilfreicher Partner zu werden. In ihrem inspirierenden Vortrag stellte sie Gebäude vor, die nicht mehr nur ein Dach über dem Kopf, Wärme und ein Schließsystem bieten, sondern zum Ratgeber und wissenden Begleiter ihrer Bewohner werden. „Welcher nächstgelegene Meetingraum ist gerade frei? Wie warm ist es dort? Wo wird gerade Energie verschwendet, weil die Heizung läuft, aber das Fenster geöffnet ist?“.

 

BIM für Architekten – 100 Fragen, 100 Antworten

Mit großer Spannung wurde ebenfalls der Beitrag von Tillman Prinz, Bundesgeschäftsführers der Bundesarchitektenkammer, erwartet, der den druckfrisch vorliegenden Leitfaden „BIM für Architekten – 100 Fragen, 100 Antworten“ vorstellte. Er mahnte an, dass von 130.000 deutschen Architekten viele immer noch zögern, sich dem Thema BIM zu widmen – deshalb sei das Buch als ein hilfreicher Reiseführer durch die BIM-Welt konzipiert worden. BIM sei keine Bedrohung, sondern vielmehr eine große Chance, die auch Architekten nutzen sollten. Mit den 100 Fragen und 100 liegt nun ein hilfreicher Überblick vor, was BIM für Architekten bedeutet.

 

Grußwort

Auch Dietmar Bernert vom Bundesverband Bausoftware e. V. bescheinigte buildingSMART dem Teenageralter endgültig entwachsen zu sein und auch in Deutschland eine erwachsene Persönlichkeit geworden zu sein. Das Thema BIM hat sich zu einem neuen inhaltichen Arbeitsschwerpunkt des Verbands entwickelt, der sich als neutraler Vermittler sieht, um smartes Bauen auch von der technischen Seite zu befördern. Deutschland darf nicht den Anschluss verlieren, sondern soll sich in den nächsten Jahren wieder einen Vorsprung erarbeiten.

 

Grußwort

Dr. Andreas Goerdeler, Unterabteilungsleiter im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, betonte in seinem Grußwort die Bedeutung der Digitalisierung und offener Standards für den deutschen Mittelstand. Bei dieser Gelegenheit gab er auch die Verlängerung des Förderprojektes BIMiD bekannt, an dem buildingSMART als einer von sechs Projektpartnern beteiligt ist.

 

Building Information in the Creation of Economic and Cultural Value

Dennis Shelden, langjähriger Associate im Büro des Pritzker-Preisträgers Frank O. Gehry in Los Angeles berichtete am Beispiel des Ausstellungsgebäudes für die Foundation Louis Vuitton in Paris über neue Entwurfsfreiheiten und die integrative Zusammenarbeit in einem großen Architekturbüro. Die projektbeteiligen Fachplaner waren weltweit verteilt, so dass das Internet ein wichtiger Schlüssel für die Zusammenarbeit war. Im zweiten Teil seines Beitrags ging Mr. Shelden auf die aktuellen Herausforderungen der Baubranche ein und mahnte an, dass wohl 20 % der Ressourcen eines Bauprojektes vergeudet werden. Den Schlüssel für eine erfolgreiche Optimierung sieht er im Einsatz moderner BIM Methoden, schon in der frühen Planungsphase.

 

Constructing the Digital Future – How Artificial Intelligence, Drones and Robots will Change the Construction Industry

Alvise Simondetti von Arup Global Leader Virtual Design in London vermittelte anhand zahlreicher Beispiele, wie mit Hilfe digitaler Simulationen und Künstlicher Intelligenz Gebäude bereits in der Planungsphase immer besser den Nutzungsanforderungen angepasst werden können. Gemeinsam mit dem Plenum warf er einen Blick 10 Jahre in die Zukunft, in welcher in viel größerem Umfang als heute mittels digitaler Daten geplant, simuliert und überwacht werden wird. So ließ er beispielsweise Testpersonen mittels Virtual Reality und Joystick durch das Modell einer neuen U-Bahn-Station “laufen”, um Orientierung, Wegführung und Fluchtkonzepte zu optimieren. 

 

Abschlussdiskussion beim 20. buildingSMART-Forum am 19.10.2016 in Berlin mit Prof. Rasso Steinmann und Siggi Wernik; Moderator: Dr. Thomas Welter, BDA.

 
 
 

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