BIM Week&Forum 2013: über 500 Besucher im Oktober in München im Dialog

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Fotos Edward Beierle

Eine Woche lang fanden in München internationale Meetings, Workshops und Sessions zu allen Themen rund um BIM (Building Information Modeling) statt. Mit über 500 Teilnehmern war die Internationale BIM Week in München vom 7. bis 11. Oktober 2013 an Orten wie der TU München und Hochschule München, bei Obermeyer Planen+Beraten, Nemetschek und Autodesk die bislang größte BIM Veranstaltung in Deutschland.

Licht am Ende des Tunnels I Großprojekte erfordern neue Planungskultur I BIM verändert Prozesse, Rollenverständnisse, Kommunikation und Partnerschaften

Etwa jeder fünfte Teilnehmer kam aus dem Ausland, überwiegend aus Europa, Asien und den USA. Das 17. buildingSMART Forum am 10. Oktober in der BMW Welt mit rund 300 Besuchern war das Sahnehäubchen und ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg, die BIM Methode im Bauwesen zu verankern.

Der BIM Gedanke setzt sich durch. International ohnehin, langsam aber sicher auch in Deutschland. Hier sieht sich der buildingSMART e.V. als Veranstalter des Treffens in seinen Aktivitäten bestätigt. So stellt auch Dirk Schaper, Präsidium buildingSMART e.V. und Geschäftsführer Hochtief ViCon, in seiner Begrüßung fest, dass Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik in diesem Jahr erstmals „richtig aufmerksam“ geworden sind. Trotzdem: „BIM ist kein Mainstream.“ Schaper betrachtet es – wie die Redner nach ihm auch - als Aufgabe des Verbandes und der anderen Hauptakteure im Markt, „BIM einfach und klar zu machen“, um die Möglichkeiten für nachhaltigen Mehrwert wirklich auszuschöpfen. Er appelliert an die Teilnehmer des Forums, mitzuhelfen, den BIM Gedanken in die Breite zu tragen. BIM beginnt mit dem partnerschaftlichen Umgang miteinander und durch das Verlagern von Leistungen im Prozess. Denn genau hier liegt das Potential von BIM.
 
„Wir fangen ja nicht bei Null an“, sagt Dr. Jürgen Koggelmann, Geschäftsführung der Reformkommission für Großprojekte im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS). Die Resonanz seiner Behörde auf BIM und die Möglichkeit, Termine und Kosten besonders bei komplexen Projekten wie dem Flughafen Berlin-Brandenburg oder der Elbphilharmonie in Hamburg sicherer zu machen, sei spürbar größer geworden. Man sei dabei, eine BIM Strategie zu erarbeiten, die auf Ideen des buildingSMART aufbaut. Ein erster Entwurf soll noch in diesem Jahr vorliegen.


Auch Johann Bögl, Gesellschafter der Firmengruppe Max Bögl, engagiert sich in der Reformkommission.  Das Problem der Bauindustrie aus seiner Sicht: „Wir verdienen zu wenig.“ Gemessen an den hohen Risiken und vergleichsweise niedrigen Renditen. Die Schuld sieht er bei den Bauunternehmen selbst, „weil die Projekte in der Masse nicht optimal abgewickelt werden.“ Bögl verweist auf die Automobilindustrie, die in Krisenzeiten angefangen hat, „Technik und Emotionen statt einfach nur Blech zu verkaufen“. Auch das Unternehmen Max Bögl nutze schon lange modernste IT Werkzeuge und Planungsmethoden wie BIM, derzeit bei 32 Bauprojekten. Beispielsweise in fachübergreifenden Anwendungen, wie beim Bau von Windenergieanlagen. Um nicht nur schneller, sicherer und besser, sondern auch nachhaltig zu bauen. Dennoch werde das Potenzial nicht ausreichend ausgeschöpft. Weil zu oft noch in 2D gedacht wird. Johann Bögl bezeichnet es als Führungsaufgabe, Menschen zum Handeln  zu bewegen, Mitarbeiter von den Vorteilen der BIM Methode zu überzeugen. Zu aktuellen globalen Trends gehören für ihn die Vernetzung der Prozesse und die Verbesserung der Kommunikation, die Ausrichtung der Prozesse an der Wertschöpfung und ein durchgängiges Informationsmanagement. Er setzt auf langfristige Partnerschaften, industrielle Vorfertigung und ganzheitliche Dienstleistungen.

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„Wenn die Prozesse stehen, kann BIM perfekt genutzt werden“, sagt Peter Meijnen von Porsche Consulting und stellt damit einen direkten Link zur Automobilindustrie her, die ihre Prozesse vor rund 20 Jahren komplett auf den Kopf stellte. Den Lean Construction Gedanken mit stabilen Prozessen, standardisierten Schritten sowie den vier Prinzipien Fließprinzip, Taktprinzip, Ziehprinzip und Null-Fehler-Prinzip - aufgebaut wie eine Fischgräte - überträgt er fast 1:1 auf die Bauindustrie. Im Mittelpunkt die Baustelle, an der sich schlankes Projektmanagement und die ganze Wertschöpfungskette orientieren.

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Was verbindet BIM mit Bauherren, Investoren und Betreibern, die mit dem diesjährigen Forum besonders adressiert wurden? Für Thomas Knoepfle, EADS Cassidian und Präsident von RealFM ist es der Lebenszyklus von Gebäuden. Nicht zuletzt, weil rund 80 Prozent der Gesamtkosten beim Betreiben und Instandhalten eines Bauwerks anfallen, während das Bauen nur etwa 20 Prozent beansprucht. Ziele von buildingSMART und RealFM seien eine Kooperation im Sinne „partnerschaftlichen Arbeitens an Schnittstellen in einer offenen Welt“ und Standardisierung.         

„BIM als Methode muss kommen.“ Davon ist Annette von Hagel von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben überzeugt. Denn EU und Bundesregierung verschärfen ihre Forderungen und Vorgaben hinsichtlich energieeffizienter Gebäude und nachhaltigem Bauen immer weiter. Dafür braucht es BIM. Die Bundesanstalt verwaltet mehr als 4.500 Liegenschaften in ganz Deutschland. Abgesehen von einer vernünftigen Bestandsdokumentation sieht von Hagel jede Menge Handlungsbedarf in Bezug auf die Planung, nicht zuletzt mehr Zeit. Die Architektin regt an, Rahmenbedingungen und HOAI anzupassen und BIM – wie in Skandinavien oder Holland - bei großen Bauvorhaben einzufordern. Und sie stimmt Johann Bögl zu, dass man davon wegkommen müsse, bei öffentlichen Aufträgen immer den billigsten Anbieter zu nehmen, sondern sich für Qualität und Leistung zu entscheiden.     
 
Als Architekt, Projekt- und Bereichsleiter von Obermeyer Planen+Beraten in Hessen betreut Dieter Renth nationale und internationale Großprojekte. Das Planungsunternehmen gehört zu den größten in Deutschland und hat sich BIM schon lange auf die Fahnen geschrieben. Auch hier kam der Anstoß dazu „von oben“. Die Erfahrung zeige, so Renth, wie wichtig dies ist, ebenso wie die Motivation der Mitarbeiter, sich einzubringen. Die Antwort auf die Frage, worauf zu achten ist, ergibt sich quasi von selbst: dazu gehören die Einbeziehung aller Beteiligten und die Definition der Prozesse und Schnittstellen gleich zu Beginn der Planung. Und: man muss sich darauf einlassen, die Entscheidungen im 3D Modell zu treffen. Die Vorteile hat Dieter Renth bei einem seiner BIM Projekte, ein Krankenhaus in Abu Dhabi erfahren. Eine ausgeprägte Prozessplanung und die sehr hohe Detailtiefe erlauben u.a. die Kollisionsprüfung und damit frühzeitige und kostengünstige Änderungsmöglichkeiten direkt im Plan und nicht erst auf der Baustelle. Alle Beteiligten sparen Zeit und Geld. Qualität und Planungssicherheit steigen, die Risiken werden geringer. Eigentlich eine Win-Win-Situation für alle. Dieter Renth bringt noch zwei weitere Aspekte ins Spiel. Er erwartet, dass sich qualifizierte Bewerber früher oder später gezielt Unternehmen suchen, die mit 3D Modeling und BIM arbeiten. Er weiß, dass sich langjährige Mitarbeiter oft nur ungern umorientieren, aber er weiß auch: „Wer einmal mit BIM arbeitet, will nicht mehr anders.“ 

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Neues Rollenverständnis: Vom fragmentierten Arbeiten zur integrierten Partnerschaft

Die Frage von Moderator Thomas Welter, Bundesgeschäftsführer des BDA, wer bei einem so großen Projekt eigentlich noch in der Lage ist, eine schlanke Projektabwicklung zu kontrollieren, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Das sollte eine große Organisation machen, meint Peter Meijnen, während Dieter Renth davon überzeugt ist, dass das auch kleinere Teams im Verbund bewerkstelligen können. Fazit auch hier: BIM erfordert die Einbeziehung aller Projektbeteiligten in einem möglichst frühen Stadium, eine transparente Kommunikation und verlässliche Partnerschaften. Aber auch eine modifizierte Vertragsgestaltung (Stichwort HOAI-Anpassung). Die Veränderungen in der Planungskultur und das damit einhergehende neue Rollenverständnis werden, wie beispielsweise im Facility- und Real Estate Management, neue Berufsbilder entstehen lassen. Hier sieht sich der buildingSMART e.V. in der Pflicht, der bereits an Qualifizierungsmöglichkeiten zum BIM Manager arbeitet.
 
Konstantinos Kessoudis ist Abteilungsleiter 5D Planung bei Züblin und Chairman der 5D Initiative der Baubranche. Auch aus seinem Grußwort geht hervor, dass die Baubranche von den Automobilherstellern gelernt hat: was die Computernetzwerke und die Durchgängigkeit der Prozesse sowie die Produktionsplanung angeht. Die Werkzeuge für die Prozessintegration stünden jetzt zur Verfügung. Allein: die Partner lassen sich noch nicht integrieren, weil der Markt zu fragmentiert ist. Projektpartnerschaften erforderten funktionierende Austauschformate für alle Informationen im Entstehungsprozess von Bauwerken. Deshalb möchte die 5D Initiative den buildingSMART bei der Erarbeitung von BIM Richtlinien und offener Datenaustauschformaten unterstützen.

Großes Interesse an BIM und einen ebenso großen Handlungsbedarf in Bezug auf „offene Schnittstellen, die alle Planungsdaten zu 100 Prozent übertragen“, sieht Horst Röhl, der Leiter des Arbeitskreises Digitale Fabrik und Fachreferent für Systemanalyse von VW, der in München auch den VDA und damit die Automobilindustrie, also die Branche vertritt, die im Laufe des Tages immer wieder als Vorreiter genannt wird.

Den Beweis dafür, dass Deutschland im internationalen Maßstab beim BIM Verständnis einigen Aufholbedarf hat und Nationen, wie die USA oder Großbritannien uns in der Definition und Anwendung von BIM Richtlinien und Standards einige Schritte voraus sind, zeigen die Vorträge von namhaften Protagonisten. Darunter Patrick MacLeamy, CEO, HOK aus San Francisco und Vorsitzender von buildingSMART International, der in seinem Vortrag BIM-BAM-BOOM anschaulich partnerschaftliche Strategien zur Kostenersparnis im gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes erklärt. Jeweils 20 bis 30 Prozent ließen sich in Planung, Konstruktion und Betrieb einsparen, durch vernetzte und durchgängige Prozesse. Dann wäre auch der Gebäudebetrieb, der mit rund 40 Jahren am längsten dauert und am teuersten ist, wirklich kosteneffizient. MacLeamy spricht von Beträgen in Millionenhöhe pro Jahr beim BOOM (Building Operation Organizational Modeling) großer Gebäudekomplexe, die sich durch eine qualitativ höhere Planung langfristig sparen lassen. Für Edward J. Gannon, Bauherr und Vertreter der Pennstate University in Pennsylvania, USA, ist „Thinking FM mit BIM“ bereits Tagesgeschäft. Sein Team betreut 21 Standorte. Es  verbessert die Projektentwicklung und reduziert Projektkosten, beispielsweise, indem Facility Manager frühzeitig in die Prozesse eingebunden werden und dort ihre Anforderungen einbringen. In den letzten fünf Jahren waren es rund 425 Projekte, überwiegend Sanierung. Das Einsparpotenzial liegt in Höhe von mehreren Millionen Dollar. Damit untermauert er die Aussagen von Patrick MacLeamy. Das größte Potenzial und gleichzeitig die größte Herausforderung sieht auch Gannon in der interdisziplinären Kommunikation und dem Willen für partnerschaftliches Handeln.

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Christopher Groom, International Secretary and Business Manager von buildingSMART International aus London, verweist einmal mehr auf den Ansatz der britischen Regierung, BIM für alle öffentlichen Projekte ab 2016 verbindlich vorzuschreiben. Vorschriften und rechtliche Hindernisse sind aber nur eine Hürde, die andere Herausforderung ist die Technik selbst. Trotzdem: Groom kann eine positive Zwischenbilanz für die Entwicklung in England ziehen. Die ersten Einsparungen werden sichtbar. Deke Smith, Executive Director der buildingSMART alliance, National Institute of Building Sciences und Chris Moor, Vorsitzender Projektkomitee National BIM Standard und Director of Industry Initiatives, American Institute of Steel Construction (AISC) beschäftigen sich seit vielen Jahren intensiv mit der Standardisierung der Schnittstellen, weg von proprietären Interfaces hin zu Standards wie ISO.

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Sicher ist: BIM kommt, auch in Deutschland. Das Interesse seitens der öffentlichen Hand steigt, das beste Beispiel dafür ist die Reformkommission Großprojekte. Es entstehen mehr Kooperationen mit anderen Organisationen und Verbänden wie dem HDB, VBI und VDI. Ein „Licht am Ende des Tunnels“ sei seit 2013 deutlich erkennbar. In seinem überzeugenden Plädoyer pro BIM führt Prof. Rasso Steinmann, Leiter iabi und Vorstand buildingSMART e.V. eine ganze Reihe an Anwendern auf, die BIM Methoden auf einem sehr hohen Niveau anwenden, darunter LWW Architekten, Oltmanns Ingenieure, Max Bögl, Wolff&Müller oder Obermeyer Planen+Beraten. Klar ist: die Veränderungen von Prozessen, Kultur und Tools erfordern eine neue Denke, aufgeschlossene und professionelle Anwender und last but not least ein offenes Management, das den BIM Gedanken mit unterstützt.
 
Positiv blickt auch Siggi Wernik, LWW Architekten und Vorstand des buildingSMART e.V., in die Zukunft von BIM. Mit der Reformkommission sei man auf einem guten Weg. Letztlich gehe es immer wieder darum, dass sich die Berufsgruppen weniger voneinander abgrenzen, sondern sich wieder annähern und Verständnis füreinander entwickelten.  
 
Die Feedbacks am Ende reichen von „sehr kompetente Referenten, gute Themen“, über „hochinteressante Vorträge und Diskussionen, so spannend wie noch nie“ bis „tolle Veranstaltung, super Location, die ideale Gelegenheit zum BIM Networking“.
 

buildingSMART dankt allen Organisatoren, Sponsoren und Medienpartnern, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben!



16.10.13
 

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