10. BIM Anwendertag | 18.06.2013 | Hamburg

Es ging um die Qualität des Datenaustausches, strukturierte 3D Datenmodelle und um den „Schlüsselfaktor“ Anwenderakzeptanz … Es ging um die IFC Schnittstelle, die Technik und die Zertifizierung. Aber im Vordergrund der Veranstaltung am 18. Juni im Wälderhaus in Hamburg stand – ganz programmatisch – die praktische BIM Umsetzung beim Planen und Bauen.

Wie verändert BIM die klassischen Prozesse in der Bauindustrie? Können bisherige und modellorientierte Ansätze kombiniert werden? Über ihre ganz individuellen Erfahrungen mit BIM berichteten Vertreter von Bau- und Technologieunternehmen wie zum Beispiel Wolff&Müller, Hochtief ViCon, Max Bögl, Porr oder Hilti, Architekten und Ingenieure wie Wolfgang Ehlers von Ehlers Atelier oder Prof. Thomas Vietzke von Associate Zaha Hadid Architects, Detlev Gloeckler und Dr. Volker Krieger von Fact und Experten aus Softwarehäusern wie Graphisoft und DDS. Nicht zuletzt nutzten die knapp 150 Teilnehmer des 10. BIM Anwendertages von buildingSMART den ausgesprochen schönen architektonischen Rahmen des Hotel- und Kongress-Neubaus unmittelbar am Eingang zur iba und igs 2013 in Hamburg zum Austausch mit Branchenkollegen und zum Networking.

Viele Wege führen zu BIM

Vordenken statt hinterher zu hecheln. Darum geht es nicht nur Dr. Matthias Jacob. Der Technische Geschäftsführer Bau bei Wolff&Müller in Stuttgart betont in Hamburg einmal mehr, dass BIM keine Software ist, sondern „eine integrale Planungsmethode, in die sich auch herkömmliche Ansätze einbinden lassen.“ Das Bauunternehmen mit eigenem BIM Team blickt inzwischen auf mehr als fünf Jahre Erfahrung zurück. Diese besagt unter anderem auch, dass die Bau- und Projektbeteiligten das Thema BIM und das Arbeiten mit klar strukturierten 3D Datenmodellen zunächst einmal verstehen müssen. Und genau darauf basiert funktionierendes BIM. In Stuttgart ist man deshalb konsequent. Es gibt es interne Schulungen und „Pflichtprojekte“ für die Mitarbeiter, um das Thema wirklich transparent zu machen. Was also anfangs länger dauert und neben Geld und Zeit auch Nerven kosten kann, zahlt sich am Ende definitiv aus. Spätestens, wenn alle Daten exakt und in einem Modell vorliegen. Jacobs Fazit: „Die Projekte sind griffiger, Variantenprüfungen gehen schnell und einfach, die Massenermittlung braucht nur noch einmal durchgeführt werden.“

Dies bestätigen auch der Kufsteiner Anton Gasteiger von b.i.m.m. und Clemens Neubauer, der das BIM Management bei Porr Design & Engineering verantwortet. Ihre Erfahrung: obwohl BIM nicht immer gleich BIM ist, steht im Vordergrund trotzdem immer der ganzheitliche integrale Planungs- und Ausführungsprozess. Und die ausnahmslose Bedingung dafür sind „strikt vordefinierte Strukturen“, die sowohl nationale als auch internationale Standards berücksichtigen.

Kai Brandt, Projektleiter von Hochtief ViCon, weiß, dass auf Baustellen möglichst einfache BIM-Werkzeuge benötigt werden. „Nur so kann die strukturierte Arbeitsweise von BIM ins Projektmanagement übertragen werden. Projekt- und Bauleiter haben weder Zeit noch Interesse, CAD oder komplexe Software zu bedienen.“ Die Teilnehmer des 10. BIM Anwendertages sehen live, wie Daten vor Ort mobil erfasst und als vollständige Information mit 3D-Bezug und Fotos in ein Produktionssystem übertragen werden. Dort stehen sie online – mit Informationen aus der Planung – für eine strukturierte Aufbereitung und Analyse zur Verfügung. Typische Anwendungsfälle sind Schachtabnahmen, Qualitätssicherung oder die Dokumentation von Baufortschritt.

Eine mögliche Lösung, die digitale und sehr präzise Alternative zum Schnurgerüst, kommt von Hilti. Dr. Oliver Geibig und Markus Ziegler erläutern das „BIM zu field“-Konzept des in Kaufering ansässigen Konzerns und zeigen auf, wie mit Hilfe optischer Meßtechnik (Robotik-Totalstation) Medienbrüche auf der Baustelle ganz praktisch und elegant umgangen werden können. Die Station funktioniert sogar im zeit- und kostensparenden 1-Mann Betrieb, die Prismenverfolgung ermöglicht bis zu 400 Absteckpunkte pro Tag. Und der Bauplan mit BIM Attributen ist auf Knopfdruck am Display verfügbar.

BIM funktioniert aber auch im kleineren Maßstab: Wolfgang Ehlers vom gleichnamigen Architektur Atelier in Bremerhaven nutzt für die modellbasierte Ermittlung von Kosten im denkmalgeschützten Bestand seit sieben Jahren das Programm „Kostenkalkül“, eine BIM basierte grafische Mengen- und Kostenermittlung. Damit ist er in der Lage, bereits in der Vorplanung nachprüfbare Kostenschätzungen bzw. - berechnungen abgeben zu können. Was ihn besonders freut: selbst bei baufachtechnischen Zuwendungsprüfungen kann er damit sofort die entsprechenden Nachweise erbringen.

Auf große Resonanz stießen auch das Grundlagenseminar von Jakob Przybylo, BIM Fachverantwortlicher bei Obermeyer Planen+Beraten in München und das an der Praxis orientierte BIM Datenaustauschszenario zwischen Architekten und Haustechnikern, beispielhaft präsentiert von Holger Kreienbrink von Graphisoft und Ole Myrdal von DDS. Auch hier wird klar: viele Wege führen zu BIM. Aber immer wieder geht es um vordefinierte Strukturen und grundlegende, aber einfache Regeln. Und darum, dass diese im Vorfeld und im Idealfall von allen Beteiligten gemeinsam definiert werden sollten. Denn das Wissen um BIM und die Akzeptanz aller Beteiligten ist und bleibt der Schlüsselfaktor. Dann, aber eben nur dann profitieren auch alle – von einem flüssigen, effizienten und transparenten Workflow und einer exzellenten Datenbasis.

An diesen Herausforderungen orientiert sich längst auch die universitäre Ausbildung. So gibt es für die Studierenden der Masterstudiengänge Architektur, Bauingenieurwesen und Energieeffizientes Bauen an der TU München seit 2011 interdisziplinäre Kurse. Deren aktuelle Aktivitäten stellen Fabian Ritter und Alex Braun vom Lehrstuhl für Computergestützte Modellierung und Simulation der TU München vor.

Einen Ausblick in die nahe Zukunft der IFC Anwendungen gab es von Dr. Thomas Liebich, Geschäftsführer von AEC3. Aus seiner Sicht könnte der im März veröffentlichte, „stark verbesserte IFC4 Standard“, gleichzeitig ISO Norm 16739, dem Anwender ab spätestens 2015 viele neue Anwendungsmöglichkeiten bieten. Beispiele für die erweiterte Funktionalität sind komplexere Geometrien von Freiformflächen als Nurbs, Optimierungen bei der Übergabe von thermischen Berechnungsmodellen und Nachhaltigkeitsberechnungen sowie die bislang weniger bekannten 4D Möglichkeiten für die Bauablaufsimulation. Für IFC5 gibt es bereits erste Ideen: im Vordergrund soll die Abbildung von Infrastrukturbauten stehen.

Last but not least bietet der buildingSMART e.V. seinen Mitgliedern jede Menge Möglichkeiten, sich aktiv in aktuellen BIM Projektgruppen zu engagieren oder auch neue zu gründen. Zu den vorgestellten Initiativen gehören die BIM Ausbildung unter der Federführung von Jakob Przybylo, der Standardisierung von BIM Objektmerkmalen, geleitet von Martin Hubert oder bei der IFC2x3 Zertifizierung, die Rasso Steinmann betreut. Der Verein freut sich über Interessenten, Ideen und Vorschläge ...

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