Globale Trends der digitalen Bauwirtschaft

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Daniel Feldkamp, Partner bei der Boston Consulting Group, führte in seiner Keynote auf dem 22. buildingSMART-Forum in aktuelle globale Trends der digitalen Bauwirtschaft ein und setzte den Fokus vor allem auf die Veränderungen, die sich für Baustoff-Hersteller und -Lieferanten ergeben. In der nachfolgenden Diskussion erörterten Inga Stein-Barthelmes vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, Jürgen Kahl von der Zech Group und Daniel Feldkamp über vielfältige Wirkungen von Digitalisierung auf die Bau- und Immobilienwirtschaft.

Verglichen mit anderen Branchen sei die Digitalisierung langsamer und mit Verzögerungen in der Bauwirtschaft angelangt als in anderen Branchen – so seien beispielsweise die Medienwelt oder der Einzelhandel radikal umgewälzt worden. Nach wie vor sei die Bauwirtschaft, so Feldkamp, eine eher traditionelle Industrie, in der vielen Prozesse unverändert seien. Dennoch könne man konstatieren, dass die Digitalisierung in der Bauwirtschaft angekommen sei und viele Unternehmen daran seine, Dinge neu zu denken und anzugehen. Ein Trend, der sich auch in der Bauwirtschaft abzeichne, sei eine Entwicklung hin zu Plattformen und Online-Marktplätzen. Veränderungen gebe es zudem in den Herstellungsprozessen von Baustoffen, neuartige Materialien und Werkstoffen werden entwickelt. Besonders Baustoffhersteller versuchten, sogenannte digitale Customer Journeys zu entwickeln, um so direkt mit ihren Kunden in Beziehung zu treten – der (noch) übliche zwei- oder gar dreistufige Vertriebsweg würde so obsolet werden.

Entlang der gesamten Wertschöpfungskette Bau treten, so die Beobachtung von Daniel Feldkamp, zunehmend neue Start-Ups auf und auch etablierte Unternehmen spalten innovative Einheiten ab, um mit Prozess- oder Produktinnovationen in den Markt zu treten. Eine weitere Entwicklung, die sich durch Digitalisierung ergebe sei die weitere Integration von Prozessen in Unternehmen – beispielhaft ist hierfür die US-Firma Katerra, die faktisch alle Schritte über den Entwurf, die Konstruktion der Bauteile, bis hin zum Erstellen von Gebäuden beherrscht und die in einer einzigen Finanzierungsrunde mehrere hundert Millionen Dollar an Kapital einwerben konnte. Solche vollintegrierten Bauunternehmen sprengen die in Deutschland vorherrschende Trennung von Planung und Bau und letztlich auch die grundlegende Konzeption, wonach viele verschiedene Gewerke (und damit Unternehmen) am Bau beteiligt sind.

In der folgenden Diskussion stellte Jürgen Kahl von der Zech Group dar, dass die Bauindustrie im Vergleich zu anderen Industrien noch immer stark hinterherhinke, integral und digital zu denken. Fairerweise aber müsse man auch feststellen, dass es in anderen Industrien früher als in der Bauindustrie bessere digitale Tools gegeben habe. Dennoch bleibe der Befund, dass es noch immer eine relativ große Trägheit im Markt gebe. Positiv zu vermerken sei, dass die Absolventen von den Hochschulen „state of the art“ sind, da habe sich die Ausbildung verändert. Problematisch sei, dass im 3-D-Planungsprozess und in der Modellierung immer an einer gewissen Stelle abgebrochen werde  und so das Modell nie vollständig sei. Zum großen Teil, so Kahl, sei das vertragsrechtlich vorgegeben. Jedoch: „Nur wenn das Modell vollständig ist, gibt es die Chance, ein Gebäude über den Lebenszyklus zu verwalten.“ Die Folge sei, dass die Modelle mit einem „mega-Aufwand“ für den Betrieb nachmodelliert werden.

Inga Stein-Barthelmes betonte, dass die Verbände sich den Forderungen durch Digitalisierung aktiv stellen müssten, sie stünden als Verband ihren Mitgliedsunternehmen diesbezüglich eindeutig in der Pflicht. Sie stelle fest, dass im Ausland manches nicht schneller aber durchaus mitunter einfacher sei, weil dort ein etwas anderer Kulturwandel schon vollzogen sei. Aufgabe der Verbandsarbeit sei somit durchaus, eine neue Sprache zu bilden und ein neues Miteinander zu entwickeln. Dies nicht zuletzt, weil aus dem Ausland  Akteure bereit stünden, die viel, viel größer seien als die mittelständisch geprägte Planer- und Bauwirtschaft Deutschlands. „Da ist dann wirklich die Gefahr, dass der Markt einfach überrollt wird.“ Der Weg aber in ein neues Miteinander sei beschritten, zeigte sich Stein-Barthelmes optimistisch, sie stelle fest, dass alle Gespräche zur digitalen Transformation nach vorne gerichtet laufen.

Dass diese digitale Transformation durchaus „mittelstandsfreundlich“ ablaufen könne, davon zeigten sich alle drei Diskutanten überzeugt. Zwar würden sich manche Berufsbilder wandeln und es werde zu „Verschiebungen“ kommen, so Daniel Feldkamp. Letztlich aber könne er sich nicht vorstellen, dass „Roboter unsere Häuser bauen.“


30.10.18
 

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