Der digitale Zwilling


Welche Voraussetzungen noch geschaffen werden müssen, um den digitalen Zwilling von der Planung über das Bauen bis hin zum Betrieb und den Rückbau des Bauwerks erstellen zu können, stellte Wolfgang Hass von der Siemens Building Technologies in seiner Keynote-Rede dar. Er erläuterte auch, warum die Entwicklung der nötigen Standards von einer non-profit-Organisation wie buildingSMART entwickelt und den Marktteilnehmern zur Verfügung gestellt werden müsse. An der anschließenden Diskussion nahmen Dr.-Ing. Mathias Bruhnke von der Adolf Würth GmbH & Co. KG und Siggi Wernik, Vorstandsmitglied von buildingSMART Deutschland teil.

Wolfgang Hass forderte mehr als bisher einen ganzheitlichen Blick auf alle Gewerke und alle Prozesse und das über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks hinweg, einschließlich des Rückbaus. Er fürchte, dass in der Diskussion und Entwicklung um BIM zu sehr auf das Planen und nur teilweise auf das Bauen fokussiert werde, und dabei die TGA und die Produktehersteller sowie besonders die Betreiber zu wenig einbezogen würden. Im Lebenszyklus eines Bauwerks jedoch fallen die meisten Kosten in der langen Betriebsphase an. Notwendig sei deshalb eine Optimierung des Gesamtprozesses und nicht nur die Optimierung einzelner Bereiche. Ideal sei, wenn alle Daten aus allen Phasen und von allen Gewerken erfasst würden und besonders die Übergabe der Informationen aus den verschiedenen Phasen und von allen Gewerken auch tatsächlich digital erfolgen würde. Heute werde noch allzu oft unter einer elektronischen Datenübergabe das Übermitteln einer gebrannten CD-Rom mit PDF-Dateien verstanden. „Das sind aber dann relativ tote Daten.“ Mit einer durchgängigen Datenbasis „werden wir diese Informationen nicht mehr verlieren, sie sind über den gesamten Prozess einfach da.“ Das Ziel sei, Daten nur einmal zu erfassen und so einen echten digitalen Zwilling zu generieren, was für Wolfgang Hass der Schlüsselbegriff überhaupt sei. „Wenn wir das erreicht haben, dann hat BIM seine Rolle richtig gespielt.“ In diesem digitalen Zwilling könne dann alles getestet, simuliert, ein- und ausgebaut werden. Erst wenn alle am Bauwerk Beteiligten zufrieden seien, dürfe real gebaut werden. Diese zentrale Datenbasis könne man verstehen wie „die Festplatte zum Grundstein“, auf die dann auch die für die Betriebsphase verantwortlichen Dienstleister zugreifen können.

Ein Problem jedoch, dass die Branche derzeit noch habe, sei die Vielzahl von Standards. „Wir arbeiten momentan mit rund 200 Standards, guten und weniger guten.“ IFC sei davon das Neutralste, das Leistungsfähigste und das Beste und deshalb setze Siemens auf IFC und seine Mitgliedschaft bei buildingSMART. Nun gelte es als Ziel, “eine Datenbasis in der Mitte zu haben, mit der alle arbeiten können.” Einzelne große Kunden schaffen für sich solche Datenbanken mit einer jeweils eigenen Datenstruktur, auf die sich dann alle Akteure einstellen müssen.  „Das kann nicht die Zukunft sein“, so Hass und deshalb müsse es eine Datenbankstruktur geben, „die von einer non-profit-Organisation  definiert werden muss und das ist auch der Grund, weshalb wir bei buildingSMART mitmachen.“

Diese Problematik kennt man bei Würth, wo Dr.-Ing. Mathias Bruhnke täglich Anfragen von Datenbankbetreiben erhält, die die Produktkataloge von Würth übernehmen wollen. Jede dieser Anfragen bedeute für Würth die Programmmierung individueller Schnittstellen und zudem den Aufwand, dass faktisch händisch recherchiert werden muss, welche Daten in welcher dieser Datenbanken noch aktuell und fehlerfrei sind. Auch Mathias Bruhnke sieht daher den großen Bedarf für die Produktehersteller für eine neutrale und international gültige Datenbankstruktur, die als Standard im Markt anerkannt werde. Auch Würth beobachte den Markt sehr genau und betrachte buildingSMART als neutralste und internationalste Organisation, die solche Standards entwickeln und setzen könne.

Eine solche Lösung zur Strukturierung von Inhalten und Informationen entwickelt und bietet buildingSMART International mit dem buildingSMART Data Dictionary an. Siggi Wernik, Vorstandsmitglied bei buildingSMART, ist sich sicher, dass buildingSMART mit dieser Lösung zur Schaffung einer solchen Datenbankstruktur die notwendigen Rahmenbedingungen schafft, die vielen in der Digitalisierung der Bauwirtschaft weiterhelfen wird. Er kennt aus seinem Kundenkreis die wachsenden Anforderungen nach den für die Betriebsphase nötigen Daten und Informationen – in seiner Praxis erstelle er mit seinem Team den digitalen Zwilling bereits, praktisch gehe das schon. „Wir müssen bloß die Methoden und Prozesse entwickeln. Die Technologien gibt es schon, doch die bedingen einen Kulturwandel und ein verändertes Rollenverständnis.“


31.10.18
 

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