"Sahnehäubchen!" ... 2. Treffen der Regionalgruppe Mitteldeutschland

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Am Nachmittag des 16. Dezember traf sich die buildingSMART-Regionalgruppe Mitteldeutschland zu ihrem zweiten Treffen, diesmal in der IHK Erfurt. An dem Treffen nahmen gut fünfzig Interessenten teil - aus Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt ... und darüber hinaus! Das Programm war sehr abwechslungsreich. Einer der fünf Hauptvorträge widmete sich den Grundlagen von IFC.

Die Veranstaltung wurde von Martin Werner von HKS Architekten aus Erfurt moderiert. Er hatte auch gemeinsam mit den drei Regionalgruppensprechern die Organisation übernommen. Nach seiner Begrüßung und einer Kurzvorstellung von buildingSMART durch den Geschäftsführer Gunther Wölfle ging es auch schon los mit dem Vortragsprogramm. 

Franziska Chmelik, Mitarbeiterin der Professur Baubetrieb und Bauverfahren der Bauhaus-Universität Weimar, stellte das vor wenigen Wochen gestartete Modellprojekt "DigiWertBau" vor, das vom Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft im Rahmen seines Wettbewerbsaufrufs "Digitale Innovationen" gefördert wird. Es soll untersucht werden, welche betrieblichen Prozesse bei der Anwendung von Building Information Modeling digitalisiert werden können und wie die beteiligten Unternehmen integrativ an einem (gemeinsamen?) BIM-Modell arbeiten können. Über allem steht die Frage, ob kleinere und mittelgroße Unternehmen bald BIM-ready sein können und wie der dringend erforderliche Mitarbeiternachwuchs und die Mitarbeiterqualifizierung gesichert werden kann.

Der zweite Vortrag widmete sich dem offenen Datenaustauschformat IFC, das die Voraussetzung für gewerkeübergreifende und softwareunabhängige Zusammenarbeit in BIM-Projekten ist. Tim Hannewald, bei seinem Arbeitgeber N+P Informationssysteme GmbH u. a. Experte für BIM-Projekte und Datenaustausch via IFC, konnte Schritt für Schritt aufzeigen, welche Systematik sich hinter dem Industry Foundation Classes (IFC) verbirgt (STEP Standard for the Exchange of Product Model Data  +  XML Extensible Markup Language + IFC-Klassen-Bibliothekselemente-Objekte), welches die Voraussetzungen für eine möglichst optimale Funktionsweise sind (Softwareanbieter: möglichst viele IFC-Klassen unterstützen! … BIM-Anwender: möglichst “sauber” modellieren!) und wo derzeit noch die Grenzen für den angestrebten offenen, verlustfreien Datenaustausch sind.

Da der dritte angekündigte Vortrag von Mike Rasch kurzfristig leider ausfallen musste, sprang Martin Werner von HKS Architekten ein und erläuterte die ersten Leistungsphasen (LP) der Planung für den Neubau des Bundesamtes für Strahlenschutz im Auftrag des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) in Berlin-Karlshorst. Das BBR ist die Bauherrenvertretung für die Bundesrepublik Deutschland. Dieses Projekt wurde vor Kurzem vom BBR intern als eines von insgesamt zwei BIM-Pilotprojekten ausgewählt – allerdings nicht von Beginn an, sondern erst nach Abschluss der LP3. Deshalb sah sich das Büro vor die Aufgabe gestellt, seine eigenen Planungsgrundlagen bis LP3 nachträglich nachzumodellieren, um eine Grundlage für die kommenden LP zu haben. Dieses Nachmodellieren beschreibt Martin Werner als recht aufwändig. Er freut sich aber auf die Aufgabe, das Projekt bald in allen weiteren Leistungsphasen nach der BIM-Methode weiterzubearbeiten. Unklar ist derzeit noch, ob das BBR die Fachöffentlichkeit in irgendeiner Form an diesem Pilotprojekt teilhaben lässt. Nach dem Vortrag gibt es sicherlich zahlreiche Interessenten, die gern mehr über den Fortgang des Projektes und den Einsatz von BIM erfahren würden.

Nach der halbstündigen Kaffeepause, die intensiv für Kennenlernen und Austausch genutzt wurde, steuerte der Bauingenieur Jörg Sando einen vierten Vortrag bei. Er ist überzeugt von BIM und vertritt eine ganz pragmatische Herangehensweise. Für sein Ingenieurbüro für Baustatik kommt nichts anderes mehr als das modellbasierte Planen infrage, und zwar ganz unabhängig vom möglichen Austausch mit anderen beteiligten Gewerken und deren Softwareprodukten. Einfach deshalb, weil die Vorteile bereits heute für seine eigenen Arbeitsprozesse so groß sind: Immer an einem einzigen “Plan” zu arbeiten, immer eine einzige, konsistente Informationsgrundlage zu haben, bedeute ein deutliches Mehr an Effizienz und reduziere das Fehlerrisiko enorm. Und es spreche schließlich überhaupt nichts dagegen, aus dem eigenen BIM-Modell gewöhnliche 2D-Plangrundlagen wie Grundrisse und Schnitte oder Stücklisten abzuleiten. Wenigstens könne man dann sicher sein, dass die Pläne und Listen immer auf dem aktuellen Stand sind. Für Schmunzeln sorgte ein weiterer Appell: "Der Grund, warum wir zukünftig immer besser, ohne Fehler planen müssen, ... ist doch ganz einfach: Demographischer Wandel! Zukünftig gibt es auf der Baustelle immer weniger, die das gerade rücken können, wenn wir in der Planung Mist bauen!" (So haben wir das noch nie gesehen!)

Der fünfte und letzte Vortrag stammte von Dr.-Ing. Sylvia Kracht, Geschäftsführerin von BCS CAD + Information Technologies. Sie konzentrierte sich auf BIM-konforme Bestandsaufnahme mittels Indoor Mapping mit einem sogenannten “Messtrolley” und konnte eindrucksvoll beweisen, welche Vielzahl neuer Werkzeuge es für die Erfassung des Gebäudebestandes gibt und wie mögliche Nutzungen für diese Informationen aussehen. Bereits heute können in einfachen Gebäudestrukturen an einem Arbeitstag bis zu 20.000 m² Fläche erfasst werden, wobei die anschließende Auswertung ein Mehrfaches dieser Zeit in Anspruch nimmt. Die Anwendungen sind vielfältig: Inventur von Einbauten und Geräten, Nachmodellierung zur Intergration in ein BIM-Modell, Baustellen- und Baufortschrittsdokumentation, 3D-Visualisierung bis hin zur 3D-Navigation in komplexen Innenräumen.

Die Veranstaltung war ein großer Erfolg (Sylvia Kracht: “Sahnehäubchen auf unserem gemeinsamen ersten BIM-Jahr 2016 in der Region Mitteldeutschland!”) und machte deutlich, wie wichtig das Thema für viele Bau- und Immobilienfachleute mittlerweile ist und wie groß abseits der vielen BIM-Großveranstaltungen der Bedarf an BIM-Grundlagen und Erfahrungsaustausch heute schon ist.

Die buildingSMART-Regionalgruppe Mitteldeutschland trifft sich wieder im kommenden März, dann vermutlich in Magdeburg. Alle Informationen zu den kommenden Regionalgruppentreffen sowie die Präsentationen des letzten Treffens in Erfurt gibt es in Kürze auf der Seite www.buildingsmart.de/bim-regional.

 




 


20.12.16
 

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