Das buildingSMART Forum 2011 : Nachhaltiges Bauen mit BIM


"Es waren bisher Softwarehäuser und Technikbegeisterte, die sich mit BIM beschäftigten. Jetzt haben wir den Punkt erreicht, an dem BIM die Kluft zwischen den frühen Enthusiasten und der Mehrheit der Anwender überspringen kann.", sagte Siegfried Wernik, Partner bei Léon Wohlhage Wernik Architekten, Berlin und neuer Vorstandsvorsitzender des buildingSMART e.V., auf dem jährlich stattfindenden buildingSMART Forum 2011 am 14. September 2011 in Berlin.

"Im Ausland waren zunächst vor allem Bauunternehmen die Treiber der Planungsmethode BIM sowie Immobilieneigner mit großen Portfolios. Sie haben die Thematik verstanden und die ökonomischen Vorteile erkannt. Wir müssen jetzt auch in Deutschland die Bedingungen für BIM optimieren."

BIM erfordert jede Menge neue Prozesse und Organisationsstrukturen, die in der Kultur des deutschen Planungs- und Bauwesens nur zögerlich akzeptiert werden. Die durchgängig modellorientierte Arbeitsmethode macht das virtuelle Objektmodell zur zentralen Datenquelle. Der Mehrwert des Building Information Modeling (BIM) für Planer und Bauunternehmer liegt auf der Hand. Das Planen, Bauen und Verwalten von Gebäuden wird transparent und effizient. Allerdings, so Wernik, erfordert diese Arbeitsweise neue Vertrags- und Vergütungsregelungen, sprich eine neue Bewertung der veränderten Aufgaben- und Aufwandsverteilung. Diese Thesen sind Teilaspekte des Gutachtens zu den "Auswirkungen von BIM auf die Leistungsbilder und Vergütungsstrukturen für Architekten und Ingenieure sowie auf die Vertragsgestaltung", das im Auftrag des BMVBS erstellt wurde.

Win-Win-Situation

Der Stellenwert der Immobilie als Wirtschaftsfaktor, aber auch als Emissionsquelle für Treibhausgase ist längst auch in den zuständigen Ministerien angekommen. In ihren Grußworten an die rund 100 Teilnehmer des 15. buildingSMART Forum sprachen Dr. MR Wolfgang Eckart, Referat Grundsatzangelegenheiten im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) und Dr. Ursula Fuentes Hutfilter vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) über die Bedeutung von BIM und Nachhaltigkeit in Bezug auf Gebäude und Energiesparen, Klimaschutz, Treibhausgasemission, Lebenszykluskosten sowie die Qualität von Gebäuden. Die öffentliche Hand hat erkannt, dass belastbare, zuverlässige und transparente Bauwerksdaten die Basis für mehr Effizienz und Nachhaltigkeit beim durchgängigen Planen und Bauen bilden. Man sei froh über die Aktivitäten des buildingSMART e.V. und unterstütze diesen aktiv, nicht zuletzt durch die Leitung des gegründeten Beirats "openBIM für Deutschland".

Zu den zahlreichen EU- und staatlichen Initiativen, die das nachhaltige Bauen auf der Basis integrierter Planungs-, Ausführungs- und Betriebsprozesse fördern und die in Berlin vorgestellt wurden, gehören auch das internationale Forschungsprojekt HESMOS oder das EU-Projekt GreenConServe speziell für kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs), das, wie von Prof. Rasso Steinmann, Vizevorstand von buildingSMART e.V. und Institut für angewandte Bauinformatik (iabi), München, erläuterte, vom BMU mit erheblichen Mitteln gefördert wird. Bei ersterem liegt, so Bastian Bort, BAM, Stuttgart, der Gedanke zugrunde, BIM Daten zu nutzen, um sie einerseits hinsichtlich ihrer ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Nachhaltigkeit von PPP-Projekten zu nutzen. In welchem Umfang der Datenaustausch zwischen Gebäudegeometrie und Energiesimulation oder der Berechnung der Ökobilanz über BIM und IFC möglich ist, beleuchtete Dr. Tobias Maile, freier Mitarbeiter am iabi, München und am Berkely-Lab in Kalifornien, mit seinem Vortrag über den EnergyPlus, einen Rechenkern für Energiesimulation, der in Kalifornien entwickelt wurde.

BIM und Nachhaltigkeitsmanagement

Ein neuer Partner von buildingSMART, der die Immobilie von Anfang an mit einem ganzheitlichen Ansatz betrachtet, ist die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Thomas Kleist, der die DGNB auf dem Forum in Berlin vertrat, sprach von einer "guten gemeinsamen Zukunft". Vorstellbar sei beispielsweise eine Gebäudemodell-Zertifizierung. "Die wenigsten Architekten finden es gut, bei der Planung eines Gebäudes schon an den Abriss zu denken", sagte Anna Braune von PE International, Leinfelden-Echterdingen. Sie zeigte auf, wie der intelligente Umgang mit Gebäude- und Bauteilinformationen den effizienten Ablauf der Gebäudezertifizierung und Nachvollziehbarkeit unterstützt und wie BIM in diesem Kontext ein Nachhaltigkeitsmanagement in allen Lebensphasen eines Gebäudes ermöglichen kann. Braunes Fazit: "BIM unterstützt heute schon ein Dutzend Kriterien der DGNB, es könnten gut 30 sein."

Martin Kusic von mürlepartner Baumanagement, Ansbach, setzt sich mit integraler energetischer Planung, verschiedenen Berechnungsverfahren und Softwarelösungen bis hin zur gebauten "Hochleistungsfassade" auseinander. Für ihn sind die objektbasierte Planung mit konsistenten Daten und grafischer Kontrolle die einzige Lösung auf dem visionären Weg vom Energieausweis zum ganzheitlichen "Nachhaltigkeitzertifikat" für Gebäude.

BIM funktioniert

Wie sich die Vorteile der Arbeitsmethode mit den Aspekten des nachhaltigen Bauens kombinieren lassen, belegen Projektbeispiele von David Pfender von Wolff&Müller, Stuttgart und von Dr. Christian Böttcher vom Ingenieurbüro Dr. Binnewies. Die Hamburger nutzten das Potenzial von parametrisierten Modellen bei der Planung und Bauausführung des fugenlosen Freiformdaches der Zayed University Abu Dhabi der BRT Architekten Bothe Richter Teherani. Welche Vorteile sich aus dem Einsatz eines BIM Managers bei größeren Hochbau- und Infrastruktur-Projekten ergeben, erläuterte Dr. Jan Tulke von Hochtief ViCON, Essen, in seinem Vortrag.

24.09.11

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