04. BIM Anwendertag | 19./20.11.2009 | Weimar

Am 19. und 20. November 2009 fand in Weimar das 4. Treffen der BIM-Anwendergruppe mit über 60 Teilnehmern statt. Nicht zuletzt deshalb in Weimar, weil die Bauhaus Universität in diesem Jahr ihr
90-jähriges Bestehen feierte. Im Mittelpunkt stand die Vision von einer aktuellen Re-Interpretation des Leitbildes vom "Bauhaus als digitales Bauhaus".

BIM in der Ausbildung

Hausherr Prof. Karl Beucke berichtete in seiner Begrüßung über die Historie der Bauhaus Universität Weimar und deren Erfolge in der BIM Ausbildung der Studenten. Dass BIM nicht nur im Hochbau eingesetzt wird, vermittelte er in seinem Referat "BIM im Bauingenieurwesen". Prof. Dirk Donath, Weimar, ging auf praktische Erfahrungen in der Ausbildung, insbesondere in der Planung, ein. Über die Ausbildung von Architekten und Ingenieuren in der Schweiz zum Thema BIM/IFC berichteten Frank Thesseling, ETH Zürich, und Prof. Dr. Ing. Manfred Breit, FH Nordwestschweiz. Der ein oder andere Teilnehmer zeigte sich überrascht, weil auf der Grundlage von BIM eine modellbasierte Terminplanung mit unterschiedlichen Softwareprogrammen durchgeführt werden kann, in diesem Fall sowohl mit "Primavera" als auch mit "MS-Projekt". Den Vorträgen zur Ausbildung folgte eine lebhafte Diskussion, die von Prof. Dr.-Ing. Frank Petzold, Uni München, moderiert wurde. Erwin Gersching aus Buchholz stellte fest, dass die Ausbildung der Studenten in Bezug auf BIM an den Hochschulen offensichtlich auf gutem Weg se; er vermisste jedoch die Ausbildungsmöglichkeiten für Ingenieure und Architekten, die im Berufsleben stehen. Um den Einsatz von BIM auch in der täglichen Praxis zu unterstützen, sollte überlegt werden, berufsbegleitende Fortbildungsmaßnahmen anzubieten; wie durch Kammern/Verbände, evtl. in Zusammenarbeit mit den Hochschulen, um so die Lücke zwischen Lehre und Praxis zu schließen.

Praktische Erfahrungen bei der Einführung BIM/IFC

Über Lösungsansätze beim Datenaustausch zwischen CAD und TGA sprachen Sabine Steinert von Faust Consult, einer Tochter der Unternehmensgruppe Obermeyer und Dr. Rudolf Juli, Obermeyer Planen+Beraten. Die Architektin stellte das Projekt Al Ain Hospital in Dubai als Beispiel für eine konsequente BIM Anwendung in 3D und mit integrierter Datenbank vor. Damit verfügten die Projektbeteiligten an unterschiedlichen Standorten immer über einen einheitlichen Informationsstand.

Im Blickpunkt des Anwenderforums stand auch das "BIM/IFC Anwenderhandbuch", das Vorgehensweise, Einsatzmöglichkeiten und Randbedingungen darstellt. Neu hinzugekommen ist VectorWorks als BIM Applikation. Im kommenden Jahr wird es eine Version 3.0 geben, die ihren Fokus noch mehr auf die Webunterstützung legt.

BIM in Spezialgebieten

"3D/4D und parametrische Modellierung im Brückenbau" waren die Themen des Beitrages von Dieter Stumpf von der Ingenieurgesellschaft Schmitt Stumpf Frühauf und Partner, München, der zeigte, dass BIM fachübergreifend wirtschaftlich eingesetzt werden kann. Dies sei vor allem möglich, wenn der Investor/Bauherr hinter der Methode steht und alle Vertragspartner einbindet.

Der Grundgedanke, der sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung zog war, dass das BIM-Modell bei Planung, Durchführung und Bewirtschaftung von Baumaßnahmen von allen am Bau Beteiligten eingesetzt, genutzt und gelebt werden muss. Über die tatsächlich mögliche Wirtschaftlichkeit für jeden Einzelnen liegen bisher keine belastbaren Zahlen vor. Unstrittig sei die Wirtschaftlichkeit, über den gesamten Lebenszyklus einer Baumaßnahme betrachtet. Aus diesem Grund wird BIM z. Zt. überwiegend von Investoren oder anderen großen Auftraggebern gefordert, die ein klares und eindeutiges Datenmanagement über alle Bauphasen verlangen.

Die Diskussionspunkte für die Zukunft und die verschiedenen Sparten gehen auf jeden Fall nicht aus, es gibt heute schon ausreichend "Stoff" für den weiteren Austausch, unter anderem: Muss die HOAI bei BIM-Einsatz angepasst werden? Benötigen wir den Datenmanager als neues Berufsbild im Bauwesen? Welche juristischen Probleme sind zu lösen, wenn alle Daten allen Anwendern zur Verfügung stehen (Verantwortung, Bereitstellung u. ä.)?

Am Folgetag gab es die Gelegenheit, in praxisorientierten BIM Workshops von und mit Sponsor Autodesk Beispiele zu erleben, während in einer "Roundtable-Session" das Thema "BIM in der Lehre" mit Vertretern der Hochschulen vertieft werden konnte.

Fazit

Die Teilnehmer bewerteten das 4. Treffen der BIM-Anwendergruppe als Erfolg. Nicht zuletzt, weil die Verbindung von Lehre und Praxis vorgestellt wurde und ausreichend Raum zur Diskussion im Plenum sowie Gelegenheit zum Networking und für Fachgespräche in den Vortragspausen blieb.

Hauptprojekt