Am 27. März 2026 markierte das Bundesministerium für Verkehr (BMV) mit dem "Dialogforum Bundesfernstraßen Digital" in Berlin einen Wendepunkt in der deutschen Infrastrukturdigitalisierung: Building Information Modeling (BIM) ist ab sofort kein Pilotvorhaben mehr, sondern verbindlicher Regelprozess für alle relevanten Projekte im Bereich der Bundesfernstraßen.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder brachte die Botschaft des Tages auf eine kurze Formel: "Deutschland wird BIM-Land." Mehr als 1.000 Gäste verfolgten das Forum – teils vor Ort im Ministerium, teils digital. Das Spektrum der Teilnehmenden spiegelte den Anspruch der Veranstaltung wider: Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Planungspraxis saßen gemeinsam am Tisch.
Fünf Jahre Pilotphase – jetzt der Regelbetrieb
Der Weg dorthin war ein strukturierter Prozess. Seit 2021 durchlief die BIM-Einführung im Bundesfernstraßenbau drei Phasen: von der Harmonisierung in den Straßenbauverwaltungen über die Ausweitung und Professionalisierung bis hin zur Standardisierung des Regelprozesses. Stand März 2026 sind 148 BIM-Pilotprojekte genehmigt – darunter 68 an Straßen und 80 an Brücken. Diese Erfahrungsbasis bildet das Fundament für den nun beginnenden flächendeckenden Rollout.
Den formalen Rahmen liefert das Allgemeine Rundschreiben Straßenbau (ARS) Nr. 05/2026: Künftige Planungen müssen auf Basis digitaler Modelle gemäß dem Masterplan BIM Bundesfernstraßen und den zugehörigen Rahmendokumenten zu Anwendungsfällen und Fachmodellen umgesetzt werden. BIM wird zur Regel – Ausnahmen bleiben möglich, sind aber begründungspflichtig.
Infrastruktur-Zukunftsgesetz stärkt die rechtliche Basis
Flankiert wird der Regelprozess durch das Infrastruktur-Zukunftsgesetz, das digitale Methoden wie BIM stärkt und verbindlicher macht. Es soll Planungsprozesse beschleunigen, Genehmigungsverfahren modernisieren und digitale Standards dauerhaft im Infrastrukturbereich verankern. Für den Bereich BIM in der Genehmigung arbeitet das Fernstraßen-Bundesamt bereits gemeinsam mit den Auftragsverwaltungen an der praktischen Umsetzung.
Fünf Bausteine für den flächendeckenden Ausbau
Ministerialdirigent Steffen Müller, Leiter der Unterabteilung Straßen- und Ingenieurbau im BMV, skizzierte beim Forum die Weiterentwicklungsfelder, die für einen erfolgreichen Rollout entscheidend sind: gesetzliche Grundlagen und Vergütungsregeln im Straßenbau, Objektkataloge und BIM-Portal-Inhalte, digitale Prozesse und Kompetenzen in Planung und Baustellenbetrieb, Schnittstellen und Datenstrukturen sowie die gezielte Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen bei der BIM-Einführung.
Der Blick reicht dabei bereits über die Planungsphase hinaus: As-built-Dokumentationen bei Neubauvorhaben sollen künftig als Grundlage für Digitale Zwillinge dienen – ein erster, konkreter Schritt in Richtung eines durchgängig digitalen Infrastrukturlebenszyklus.
Einordnung aus Sicht von buildingSMART Deutschland
Die Entscheidung des BMV ist ein Signal, das weit über den Fernstraßenbau hinaus wirkt. Was im öffentlichen Infrastrukturbereich als verbindlicher Standard eingeführt wird, setzt Maßstäbe für die gesamte Branche – und unterstreicht die Notwendigkeit offener, interoperabler Datenstandards, wie sie buildingSMART Deutschland seit Jahren entwickelt und fördert. Die konsequente Umsetzung von BIM als Regelwerk erfordert genau das, wofür buildingSMART steht: einheitliche Datenstrukturen, praxistaugliche Anwendungsfälle und qualifizierte Akteure auf allen Ebenen der Wertschöpfungskette.
Aktuelle Informationen zum BIM-Regelprozess im Bundesfernstraßenbau finden Sie hier.
