buildingSMART Deutschland stärkt seine Arbeit im Bereich seines Arbeitsraums "Bauprozesse & Datenmodelle": Der Vorstand hat am 2. Februar 2026 einstimmig die Gründung der neuen Fachgruppe "Offenes CDE-Ökosystem" genehmigt. Damit ist der offizielle Startschuss für eine Arbeitsgruppe gefallen, die sich einem der drängendsten Themen der Bauwirtschaft widmet – der interoperablen Vernetzung von Common Data Environments (CDE) auf Basis offener Standards.
Warum braucht die Branche diese Fachgruppe?
CDEs sind heute unverzichtbar für das Informations- und Prozessmanagement in BIM-Projekten. Die ISO 19650 verankert sie als zentrale Quelle aller projektrelevanten Informationen. In der Praxis jedoch werden CDEs sehr unterschiedlich interpretiert und eingesetzt: Bauherren-, Auftragnehmer- und Betriebs-CDEs existieren häufig parallel, sind kaum aufeinander abgestimmt und erschweren einen durchgängigen Informationsfluss über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks.
Besonders bei öffentlichen Auftraggebern zeigt sich ein erheblicher Orientierungsbedarf. Oft fehlt ein klares Verständnis davon, welche Rolle eine CDE in der Projektbeauftragung einnimmt, welchen Umfang sie haben sollte und wie Anforderungen sinnvoll formuliert werden können.
Die Idee: Kein Monolith, sondern ein offenes Ökosystem
Die neue Fachgruppe setzt genau hier an. Ihr zentraler Leitgedanke: Nicht eine einzige, zentrale Plattform, sondern ein offenes CDE-Ökosystem, in dem mehrere spezialisierte Anwendungen koordiniert und auf Basis offener Standards zusammenarbeiten. CDEs sollen nicht als isolierte Einzellösungen verstanden werden, sondern als vernetzte, zukunftsfähige Daten-Ökosysteme.
Was die Fachgruppe konkret erarbeiten wird
Innerhalb einer Laufzeit von 24 Monaten verfolgt die Fachgruppe ein ambitioniertes Arbeitsprogramm. Zunächst wird ein einheitliches Glossar erarbeitet, das grundlegende Begriffe wie CDE, Multi-CDE oder openCDE klar und normkonform definiert. Darauf aufbauend entwickelt die Gruppe einen praxisorientierten Use-Case-Katalog, der typische Workflows im Multi-CDE-Umfeld beschreibt und standardisiert.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Systemlandkarte des offenen CDE-Ökosystems: Sie soll zeigen, wie AG-, AN-, Fach- und Asset-CDEs technisch und organisatorisch zusammenspielen können. Ergänzt wird dies durch konkrete Anforderungen an technische Interoperabilität und Schnittstellen sowie durch Leitlinien zu Datenschutz, Datensouveränität und Compliance – relevante Aspekte insbesondere für die öffentliche Hand. Als sichtbares Ergebnis ist ein prototypischer Workflow-Demonstrator geplant, der die definierten Konzepte praktisch erlebbar machen soll.
Die neue Fachgruppe plant, all ihre Ergebnisse in Leitfäden, Whitepapers und Positionspapieren zu veröffentlichen und auf buildingSMART-Veranstaltungen vorzustellen. Mittelfristig ist auch ein Activity Proposal für buildingSMART International vorgesehen, um die Arbeit auf internationale Ebene zu heben.
Starkes Gründungsteam aus 14 Organisationen
Die Fachgruppe wurde von einer Initiatorengruppe aus 14 Personen aus ebenso vielen Mitgliedsorganisationen ins Leben gerufen – darunter Planungsbüros, Bauunternehmen, Softwareanbieter, FM-Dienstleister und öffentliche Auftraggeber. Die Gruppenleitung übernehmen Robin Schönbach (Kaulquappe GmbH), Matthias Bergmann (albert.ing GmbH) und Marcel Lang (BIM Agile UG). Ansprechpartner in der Geschäftsstelle ist Rainer Raacke, Leiter Standardisierung.
Jetzt mitmachen
Die Fachgruppe steht allen Mitgliedern von buildingSMART Deutschland offen, die aktiv zur Weiterentwicklung offener CDE-Ökosysteme beitragen möchten. Interessierte wenden sich bitte an die Geschäftsstelle: rainer.raacke@buildingsmart.de
Alle Informationen zur Fachgruppe "Offenes CDE-Ökosystem" finden Sie hier.
Einen Überblick über alle Arbeitsgruppen von buildingSMART Deutschland gibt es hier.
