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Wie BIM und Medizin-IT gemeinsam die Zukunft des Krankenhausbaus gestalten

10.03.2026

Am 10. März 2026 trafen sich Fachleute aus Planung, Bau und Betrieb in Fulda zum buildingSMART-Thementag "BIM und Med-IT in Planung, Bau und Betrieb von Krankenhäusern". Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die BIM-Methode und die Medizin-IT gemeinsam dazu beitragen können, Krankenhäuser effizienter, zukunftssicher und patientenorientierter zu gestalten.

Projektpraxis: Was BIM im Krankenhausbau wirklich bedeutet

Den Auftakt machten zwei Projektvorstellungen, die den Blick auf die praktischen Herausforderungen der BIM-Implementierung im Krankenhausbau lenkten. Andrew Naunheimer von Nickl & Partner stellte unter dem Titel „Optimierung des Datenmanagements – Lessons Learned" einen Workflow vor, der auf dem Grundsatz „erst verstehen, dann modellieren" basiert. Im Vordergrund stand dabei die Erkenntnis, dass Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) und BIM-Abwicklungspläne (BAP) keine formalen Nebenprodukte sind, sondern aktive Führungsdokumente im Projektalltag.

Philipp Kugler von Turner & Townsend ergänzte diese Perspektive mit einem Beitrag über BIM im Klinikbestand — einem Bereich, in dem einheitliche Methodik auf höchst unterschiedliche Ausgangslagen trifft und Flexibilität in der Anwendung gefragt ist. Besondere Aufmerksamkeit galt den spezifischen Anforderungen des laufenden Krankenhausbetriebs: 24/7-Verfügbarkeit lässt weder Stillstände bei der Datenerfassung noch während der Umbauphase zu.

Klinikinformationsanforderungen 2.0: Ein Leitfaden für die Praxis

Ein zentrales Thema des Tages war die Vorstellung der Klinik-Informationsanforderungen 2.0 (KIA 2.0) durch Tobias Budde von der buildingSMART-Fachgruppe Krankenhausbau. Die KIA 2.0 wurden von Experten für die Praxis entwickelt und richtet sich gleichermaßen an Klinikbetreiber, Planer, Bauherren und Ausführende. Beschrieben werden konkrete Anwendungsfälle – von der Bedarfsplanung über die Koordination der Fachgewerke bis hin zur Nutzung für Betrieb und Facility Management. Sie sollen als verbindlicher Orientierungsrahmen für BIM-Projekte im Krankenhausbau dienen.

Workshops: Diskussion auf Augenhöhe

Am Vormittag arbeiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in drei parallelen Gruppen an ausgewählten Anwendungsfällen der KIA 2.0. Die Ergebnisse zeigten sowohl Konsens als auch konkreten Weiterentwicklungsbedarf.

Gruppe 1 beschäftigte sich mit Anwendungsfällen für Visualisierungen, moderiert von Matthias Schmidt (Charité – Universitätsmedizin Berlin) und Lukas Jurk (TU Braunschweig). Im Fokus stand die virtuelle Nutzerabstimmung. Das Ergebnis: Vielen Bauherren fehlt noch die Praxiserfahrung mit diesem Instrument. Für die KIA 3.0 wurden daher mehr Praxisbeispiele sowie eine stärkere Differenzierung des Anwendungsfalls gefordert.

Gruppe 2 widmete sich dem Raumbuch und der Medizintechnik. Eric Wolgast (AEC3 Deutschland GmbH) leitete eine Diskussion, an der trotz mehr als 20 Teilnehmenden alle zu Wort kamen. Deutlich wurde: Raumbücher sind im Krankenhausbau von zentraler Bedeutung, da sie umfangreiche Informationen aus Planung, Ausführung und Betrieb bündeln – werden in der BIM-Praxis jedoch noch nicht mit der gebotenen Sorgfalt behandelt. Klare Attributdefinitionen und standardisierte Schnittstellen zwischen Raumbüchern und Modellen wurden als dringlich eingestuft.

Gruppe 3 befasste sich mit den Anwendungsfällen As-Planned-/As-Built-Modell und BIM2FM. Claudia Hanke (mtp Planungsgesellschaft für Medizintechnik mbH) machte in ihrer Zusammenfassung deutlich, dass die Teilnehmenden mehr Standardisierung wünschen: konkretere Vorgaben, detailliertere Prozessbeschreibungen und klarer definierte Merkmale auf Objektebene – eine Entwicklung, die in Richtung des buildingSMART-Merkmalservers weist.

Digitalisierung und Med-IT: Infrastruktur als strategische Entscheidung

Der Nachmittag öffnete den Blick auf die Schnittstelle zwischen Bauplanung und digitaler Gesundheitsinfrastruktur. Detlef Hundertmark vom Sana Medizintechnischen Servicezentrum zeigte auf, welche Bedeutung die Medizin-IT bereits ab Leistungsphase 2 für patientenorientierte Datenflüsse hat. Sein Fazit: Die Ausgaben für Med-IT entstehen in jedem Fall – entscheidend ist, ob sie strategisch gesteuert oder reaktiv getätigt werden. Eine ganzheitliche Med-IT-Planung und die Standardisierung von Software-Architektur und Schnittstellen sind dabei keine Option, sondern Voraussetzung.

Tobias Budde erläuterte zuvor den BIM-Klassifikationscode der DIN SPEC 91465 für medienintensive Bauwerke — ein weiterer Baustein für einheitliche "Sprechregelungen" im digitalen Krankenhausbau.

BIM2FM: Vom Modell in den Betrieb

Dustin Löhrer und Jan Phillip Mertens stellten das BIM2FM-Projekt der Uniklinik Köln vor. Thomas Schnabl von Prevera Consulting zeigte, wie BIM-Modelle in Kombination mit einer Datenplattform durchgehend von der Anforderungsphase bis in den Betrieb nutzbar gemacht werden können: von der Nutzerabstimmung über das Qualitätsmanagement bis zur Übergabe an das CAFM-System. Sein Fazit: Komplexität lässt sich durch Typisierung und redundanzfreie Datenhaltung wirksam reduzieren.

Ausblick: Blick über den Tellerrand und KIA 3.0

An­d­re­as Tig­ges von team­pro­ject gab den Teilnehmerinnen und Teilnehmerinnen mit seinem Blick über den Tellerrand einen Einblick zum BIM-Einsatz in anderen Baubereichen.

Den Abschluss bildete eine offene Diskussionsrunde unter Leitung von Matthias Schmidt, Fachgruppe Krankenhausbau. Gemeinsam wurde ein Ausblick auf die KIA 3.0 formuliert: mehr Praxisbeispiele, dezidiertere Prozessbeschreibungen und eine stärkere Verzahnung mit bestehenden Standards — damit BIM im Krankenhausbau nicht Theorie bleibt, sondern verlässliche Grundlage für den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes wird.

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