Der buildingSMART International Summit Ende März 2026 in Porto hat wichtige Weichenstellungen für die Weiterentwicklung des offenen Datenstandards IFC gebracht. Drei Entwicklungsstränge stehen im Mittelpunkt: die laufende Weiterentwicklung von IFC 4.3, die bevorstehende Finalisierung von IFC 4.4 sowie ein grundlegender Neuansatz unter dem Namen IFC X.
IFC 4.3: Standard abgeschlossen, Entwicklung nicht
Seit zwei Jahren ist IFC 4.3 als internationaler Standard anerkannt – von ISO, CEN gleichermaßen und als DIN EN ISO 16739-1 publiziert. Seither läuft die Implementierung in die Softwarelösungen der Anbieter. Doch auch wenn der Standard selbst abgeschlossen ist, geht die Arbeit daran weiter. Ein wesentliches Thema ist die Entwicklung einer ersten Model View Definition (MVD), diese läuft unter dem Namen Alignment-based View, ABV. Parallel dazu entsteht ein Validierungsservice, mit dem alle, aber auch schon IFC 4.3-Dateien, geprüft werden können. Dabei handelt es sich um ein Werkzeug, das sowohl für Softwareentwickler als auch für Anwender gleichermaßen nützlich ist. Darüber hinaus gibt es wieder neue Ansätze in Richtung Zertifizierung. Alle buildingSMART-Gremien sind ausdrücklich aufgefordert, sich an dieser Weiterentwicklung zu beteiligen.
IFC 4.4: Projektvorschlag liegt vor, ISO-Prozess soll folgen
Für IFC 4.4 liegt inzwischen ein offizielles Project Proposal vor. Die Finalisierungsphase läuft zunächst intern bei buildingSMART mit dem Ziel ab, innerhalb eines halben bis einem Jahr einen internen Abschluss zu erreichen. Parallel soll die nächste Version der ISO 16739-1 auf den Weg gebracht werden. Wenn der Prozess planmäßig verläuft, könnte die Normierung bis 2028 abgeschlossen sein.
Inhaltlich ist IFC 4.4 breiter aufgestellt, als es der oft genannte Themenschwerpunkt „Tunnel" vermuten lässt. Auch Boden- und Erdarbeiten spielen eine Rolle. Zudem sollen offene Issues aus der IFC 4.3-Entwicklung, die sich in den vergangenen Jahren angesammelt haben, in die neue Version einfließen.
Aus IFC 5 wird IFC X: Neuentwicklung mit webbasierten Technologien
Was bislang unter dem Namen IFC 5 diskutiert wurde, trägt künftig den Namen IFC X. Hinter dem neuen Label steht eine grundlegende Neuentwicklung, die parallel zur IFC 4er-Reihe vorangetrieben wird.
IFC X erprobt einen modernen, webbasierten Ansatz, der den Datenaustausch grundlegend neu denkt. Statt des klassischen Herangehens – eine IFC-Datei für ein Fachmodell erstellen, hochladen oder versenden, einlesen – sollen künftig serverbasierte Szenarien möglich sein: etwa der gezielte Abruf aller IFC-Wände eines bestimmten Geschosses oder die Abfrage von Änderungen innerhalb eines definierten Zeitraums. Im Fokus stehen dabei neue Austauschszenarien wie API-Zugriff oder der sogenannte inkrementelle Datenaustausch. Technologien wie JSON für einzelne Datensätze sollen dabei zum Einsatz kommen. Das Projekt befindet sich aktuell in einem frühen Proof-of-Concept-Stadium. In Porto wurde ein Projektplan vorgestellt, der noch der formellen Bestätigung und Beschlussfassung durch die entsprechenden Gremien bei buildingSMART International bedarf.
Fazit
Der buildingSMART International Summit in Porto hat deutlich gemacht: Die Weiterentwicklung von IFC ist kein abgeschlossenes Kapitel, sondern ein laufender Prozess mit klarer Richtung. Mit IFC 4.3 als stabilem Fundament, IFC 4.4 in der Entwicklung und IFC X als Blick in eine webbasierte Zukunft verfolgt buildingSMART eine gestaffelte Strategie, die Kontinuität und Innovation miteinander verbindet. Für die Bau- und Immobilienwirtschaft ist das ein klares Signal: Der offene Standard bleibt das Rückgrat der digitalen Zusammenarbeit, der mit den Anforderungen der Branche wächst.
