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BIM als Hebel für die digitale Transformation im Klinikum Stuttgart

14.07.2026

Michael Schneiderhan, Gunther Wölfle und Öner Tiryaki (v. li. n. re.) / Foto: Klinikum Stuttgart gKAöR

Anfang Mai 2026 besuchte Gunther Wölfle, Geschäftsführer von buildingSMART Deutschland, die Bauabteilung des Klinikums Stuttgart – dem größten Krankenhaus der Maximalversorgung in Baden-Württemberg. In den über 55 Kliniken und Instituten werden jährlich rund 90.000 Patientinnen und Patienten stationär sowie etwa 600.000 Menschen ambulant versorgt.

Derzeit wird der Standort Katharinenhospital in mehreren Abschnitten bis voraussichtlich 2033 für insgesamt 1,28 Milliarden Euro umfassend umgestaltet und in weiten Teilen neu gebaut. Es handelt sich um das aktuell größte Bauprojekt der Landeshauptstadt Stuttgart. Ziel der Maßnahme ist es, die bauliche und organisatorische Grundlage für zukunftsfähige Klinikprozesse zu schaffen – mit Fokus auf medizinische Spitzenversorgung, Prozessoptimierung, Wirtschaftlichkeit und Patientenorientierung. Organisiert und koordiniert wird die Umsetzung von den über einhundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des eigenen Servicecenters Bau und Engineering (SC-BE), das zugleich die Bauherrenfunktion innehat. Seit zwei Jahren ist das Klinikum Stuttgart in der Kategorie "Bauherr und Betreiber" Mitglied bei buildingSMART Deutschland und engagiert sich mit seinen BIM-Experten unter anderem in der Fachgruppe Krankenhausbau.

Modellbasiert koordinieren – von Beginn an

Im Mittelpunkt des Besuchs standen ausführliche Gespräche mit Michael Schneiderhan, Leiter des Servicecenters Bau und Engineering, sowie mit BIM-Experte Öner Tiryaki. Dabei wurde deutlich: Ein Bauvorhaben dieser Größe und Komplexität lässt sich heute nur noch modellbasiert koordinieren und steuern. Denn neben der eigentlichen Neubautätigkeit müssen parallel Sanierungsmaßnahmen sowie Interims- und Ersatzlösungen koordiniert werden – alles unter der Prämisse, den laufenden Krankenhausbetrieb dauerhaft sicherzustellen.

BIM2FM als strategisches Leitziel

Das übergeordnete Ziel der BIM-Nutzung im Klinikum Stuttgart ist klar definiert: Mit konsistenten, vollständigen Daten in den Betrieb gehen – BIM2FM. Alle weiteren Anwendungsfälle ordnen sich diesem Ziel unter. Dazu zählen die Koordination der TGA-Gewerke mit Objekt- und Tragwerksplanung, die Schlitz- und Durchbruchsplanung sowie die Mengenplausibilisierung für Ausschreibungen. Der betriebliche Aspekt steht im absoluten Fokus. Das gilt auch für das revisionssichere und zugleich anpassbare As-Built-Modell. Das IFC-Modell dient dabei als zentrale Datengrundlage: Alle relevanten Informationen sollen an einem Ort gebündelt sein, und das Modell bildet zugleich die Basis für die Weiterentwicklung der Revisionsunterlagen.

Darüber hinaus nutzt das SC-BE Gebäudemodelle, um in enger Zusammenarbeit mit Medizinerinnen und Medizinern, medizinischem Fachpersonal, technischen Fachleuten und der Betriebstechnik interne Baustandards zu entwickeln und fortzuschreiben. In ihnen sind die Anforderungen an eine patientengerechte, effiziente Versorgung ebenso festgehalten wie ästhetische Qualitätsansprüche. "Gleichzeitig nutzen wir das IFC-Modell, um die Revisionsunterlagen weiterzuentwickeln – die Betriebstechnik leitet daraus ihre Raumbücher ab", erklärt Öner Tiryaki.

Offene Standards als Grundprinzip

Als öffentlicher Bauherr fordert das Team von Michael Schneiderhan in seinen Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIAs) grundsätzlich die Übergabe von IFC-Modellen – für alle Kostengruppen einschließlich der Medizintechnik. Für das Issue-Management zwischen Bauherr und Auftragnehmern sowie in der Kommunikation mit dem Generalunternehmer werden bevorzugt BCF-Dateien eingesetzt. Öner Tiryaki begründet das Prinzip: "Wir setzen auf offene Standards, weil nachhaltige Digitalisierung nur dann wirksam ist, wenn wir herstellerneutral bleiben. Wir haben hier einfach sehr viele Instanzen und Softwareprodukte im Einsatz." Der buildingSMART-Standard IDS wird derzeit anteilig für die Qualitätssicherung erprobt und soll perspektivisch vollumfänglich zum Einsatz kommen.

BIM als Instrument der Organisationsentwicklung

Gunther Wölfle zeigte sich besonders beeindruckt davon, dass Michael Schneiderhan und sein Team BIM nicht allein als technisches Werkzeug verstehen, sondern auch als Instrument zur Begleitung organisatorischer Veränderungsprozesse. Für ein Team der Größe des SC-BE wäre es ohne ein solches Instrument kaum möglich, den Anforderungen immer komplexerer und digitalerer Geschäftsmodelle gerecht zu werden.

In diesem Kontext ist auch die Mitgliedschaft bei buildingSMART Deutschland zu verstehen. Beiden – Schneiderhan wie Tiryaki – ist es ein Anliegen, über den eigenen Betrieb hinaus zu denken: durch aktive Mitarbeit an der Standardisierung, durch den Austausch in Fachgruppen sowie durch die Teilnahme an Veranstaltungen wie dem Thementag Krankenhausbau, dem Anwendertag oder den Treffen der Regionalgruppe Stuttgart.

Veranstaltung zum Thema:

  • Am 1. Juli 2027 findet der 8. Karlsruher Bauherrenkongress statt.

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